.
Niemand wird gefragt, ob er auf diese Welt kommen möchte,
aber auch nicht, ob er sie wieder verlassen will.
Reinhard Johann Dieter Grobbin > 9. April 1934 -14. November 1999
Reinhard Johann Dieter Grobbin kam am 9. April 1934 in Delmenhorst zur Welt. Als Junge erlebte er den Krieg hautnah mit, denn als er 5 Jahre alt war, begann der schändliche Krieg. Zum Glück wurde er in den letzten Tagen im Jahr 1945 nicht eingezogen, wie so viele andere Jungs, die Hitler als letzte Gruppe verheizte.
Bereits 1949 bauten seine Eltern Friedrich und Adele Grobbin das heutige (mehrfach umgebaute und erweiterte) Haus an der Annenheider Straße in Delmenhorst.
Reinhard machte eine Ausbildung zum Bauschlosser und war als Geselle bei verschiedenen Firmen in Bremen und Delmenhorst bis in die 1970 Jahre dort tätig.
Gisela Elfriede Nowack kam am 23. Februar 1940 in Brieg (Schlesien) zur Welt. Ihre Eltern waren der Händler Alfred Johann Nowack und seine Ehefrau Frieda Bertha Nowack, geborene Gensrich.
Der Vater Alfred Nowack verlor im Krieg sein Leben und gilt als vermisst. Im Alter von 5 Jahren musste sie mit ihrer Mutter Frieda Nowack und ihrer Schwester Edeltraud (Traudel) Nowack kriegsbedingt die Heimat verlassen (die Sowjets haben die Polen nach Schlesien gejagt und diese haben die Deutschen vertrieben) und die kleine Familie strandete im kleinen Dorf Breitenborn bei Geithain [heute Rochlitz/Sachsen]) südlich von Leipzig. Bei der Flucht sind fast alle persönlichen Papiere verloren gegangen; ebenso die beiden Teddys der Mädchen. Auf der Flucht wurden sie zudem von Sowjets beschossen.
In Breitenborn angekommen besuchte sie die Schule und machte eine Ausbildung zur Verkäuferin im Einzelhandel. Nachmittags war sie Kindermädchen auf dem Bauernhof bei Familie Kästner in Breitenborn. Der Kontakt zur Familie Kästner, bzw. deren Kindern, bestand viele Jahre.
1956, vier Jahre vor dem Bau der schändlichen DDR-Grenze, besuchte sie mit einem Koffer in der Hand ihre Tante Hildegard in Delmenhorst (Nutzhorner Straße).

Verwandtschaftlich war Hildegard zwar nicht ihre Tante, aber sie war die Nachbarin aus Schlesien, die einen andere Fluchtweg hatte. Früher sagten alle Kinder zu den Nachbarn immer Tante oder Onkel. Ältere Bürger werden das noch kennen.
Hildegards erster Satz war zu ihr: „Du willst doch wohl nicht zurück in die Ostzone, morgen kannst du hier schon eine Anstellung haben“. Und so war ihre erste Tätigkeit Zimmermädchen im Hotel „Zum Burggrafen“ in Delmenhorst. Bei Tante Hildegard hat sie ein festes Zuhause gefunden.
Auf dem Foto „Tante Hildegard“ mit Oma Adele Grobbin (Mutter von Reinhard Grobbin) bei der Silberhochzeit von Reinhard und Gisela
Reinhard war viel mit seinem Motorrad unterwegs; es war auch bequemer, als mit dem Fahrrad zur Arbeit zu fahren. Irgendwann entstanden die ersten Tanzpaläste (spätere Diskos und heute gibt es das alles nicht mehr) und dafür war das Motorrad sehr gut geeignet.
Am Wochenenden waren Reinhard und Gisela oft wie alle jungen Leute unterwegs und man ging richtig tanzen. Das waren damals aber nicht Diskotheken, sondern großen Gaststätten mit Tanzkapellen mit Livemusik. Eine davon war die Gastwirtschaft „Zur Pultern“ [oder wie man sagte „Freuer“] in Stickgras (existiert leider nach einer Brandstiftung durch den Wirt nicht mehr).
Und 1956 waren sie durch den berühmten Zufall gemeinsam dort und lernten sich kennen. Beide konnten schon damals sehr gut tanzen, was sie auch lange bis in die 1980er Jahre gemacht haben. Ihr Lieblingstanz war der Tango mit der Melodie von „Gerhard Wendland – Tanze mit mir in den Morgen“. Von da an waren sie ein Paar, kamen sich näher und so blieb die obligatorische Hochzeit im April 1959 nicht aus. Es war eine Doppelhochzeit mit Reinhards Schwester Gisela, die Herbert Adamus geheiratet hat. Sohn Jürgen kam als gesundes „4-Monatskind“ im Juli 1959 zur Welt (Man wusste damals noch nicht, wie lange eine Schwangerschaft dauert 😊)
Zuerst wohnten sie in Bremen-Huckelriede (Arbeit: Reinhard in einer Schlosserei und Gisela in einer Wäscherei); später in Düsternort – Breslauer Straße. Danach zogen sie in das umgebaute Wohnhaus von Reinhards Eltern in die Annenheider Straße, das heute noch vorhanden ist. Dann kam auch 1963 Sohn Hartmut auf die Welt.
Gisela hat schon früh ihre Verkäuferqualitäten erkannt und eröffnete im Nebengewerbe eine Art Mini-Kiosk (Hausverkauf), um etwas Geld dazu zu verdienen. Kunden mussten an der Haustür klingeln, um Bier, Eis oder Zigaretten kaufen zu können. Es gab keinen Aldi, Edeka oder Lidl usw.
Und nach einer westdeutschen Verkäufer-Prüfung mit Note 1 (die DDR-Ausbildung wurde damals nicht anerkannt) eröffnete Gisela 1966 mit Reinhard den Kiosk an der Annenheider Straße, den sie viele Jahre als Chefin betrieb. Hier kamen immer mehr sogenannte Kiosksteher zusammen, die alle freundschaftlich verbunden waren. Die Freundschaft ging so weit, dass alle anpackten, als Mitte der 70er der Kiosk um 100 % vergrößert wurde. Alles in einer Nacht. Gerade in die 90er Jahren war die Hochburg der Kioske in Delmenhorst (und Oldenburg). Der Kiosk wurde leider 2013 geschlossen, denn durch die Öffnung der Ladenschlusszeiten und den vielen Supermärkten wurden Kioske unrentabel.
Bis ca. 1970 arbeitete Reinhard noch als Bauschlosser, um dann ganz in den Kioskbetrieb einzusteigen. Aber er hat immer nebenbei gearbeitet und hatte sich auf die Wartung von Kornmühlen spezialisiert. In der Zeit haben viele Landwirte noch selbst gemahlen und die Mühlen mussten regelmäßig gewartet und reparierte werden. Sein Einzugsgebiet war bis in den Harz.
Beide waren aber auch Partyfans und haben mit Freunden und den „Kioskstehern“ viele Ausflüge unternommen. Der Freund WEerner Paasch war damals Busfahrer bei Hutfilter und mit dem Oldtimerbus wurden viele Fahrten unterneommen. .Der private Urlaub wurde immer in Tirol gemacht, im Örtchen Bruck am Ziller hatten sie ein festes Quartier.
Die schwere Arbeit als Bauschlosser kratzte aber an Reinhards Gesundheit. Arbeiter in diesen Jahren kannten keine Schutzkleidung, Mundschutz, Hörschutz usw., was sich später rächen sollte. Anfang der 1990er Jahre [und dann schleichend] kamen ein Herzinfarkt und 3 Schlaganfälle hinzu. Mitte der 1990er war er auf Gehhilfen und später einen Rollstuhl angewiesen.
Reinhard Grobbin starb am 14. November 1999
im Alter von 65 Jahren in seinem Bett zuhause.

Gisela Elfriede Grobbin > 23. Februar 1940 -12. Mai 2024
Gisela hat sich davon aber nicht unterkriegen lassen, hat irgendwann den Kiosk abgegeben und nette Reisen mit Nachbarn und ihrer Kegelgruppe unternommen. Und auch bei Partys war sie immer in der ersten Reihe dabei. Wichtigstes Getränk zu der Zeit: Eierlikör.
Sohn Jürgen war mit ihr 2000 in New York bei ihrem Cousin Manfred und zusammen mit beiden Söhnen Jürgen und Hartmut war sie 2001 und 2002 in Las Vegas und Kalifornien.
Erst kam der Gehstock und dann der Rollator, den sie aber ausgiebig nutzte. Sie wurde Zuhause von den Söhnen und deren Ehefrauen unterstützt. Sie wollte und sollte so lange wie möglich Zuhause bleiben.
Ab 2019 fing sie an ein bisschen zu kränkeln und auch der ganze Corona-Mist machte ihr 2020 zu schaffen, denn persönliche Kontakte brachen damals aus gesetzlichen Gründen ab.
Ende 2020 musste sie zum ersten Mal ins Krankenhaus, weil sie gestürzt war. Aus einer folgenden Übergangspflege wurde dann aber stationäre Pflege damals schon mit Grad 3. Zuerst war sie im Ernst-Eckard-Haus in Delmenhorst (nicht empfhelenswert); später bekam sie durch eine evangelische Pastorin einen Platz im Stephanusstift in Delmenhorst, wo sie bis zum Schluss lebte. Das Personal im Stephanusstift ist sehr fürsorglich zu allen Bewohnern, so, dass es ihr dort auch gefiel. Leider kamen bald Pflegegrad 5 und eine angehende Demenz einher und sie baute immer mehr ab.
Hier die Original-Erlaubnis, dass im Kiosk Branntwein verkauft werden darf.
Heute darf jeder, der einigermaßen geradeaus gehen kann, eine Verkaufsstelle eröffnen

Gisela Grobbin starb in der Nacht von Samstag auf Sonntag,
den 12. Mai 2024 im Stephanusstift im Alter von 84 Jahren.

